|
||||||||||||||
|
||||||||||||||
|
|
||||||||||||||
|
|
Basalinsulin Lantus ( Insulin Glargin)""Treat to Target" - aber wie? Gangbare
Wege der Umsetzung von Therapieleitlinien
|
|||||||||||||
|
Referat |
Typ-2-Diabetes:
„Komplexe
Therapie des Typ-2-Diabetes – Wettlauf zwischen Therapieziel und
Progression der Erkrankung“ - Multiple orale Therapie
Prof.
Dr. Scholz, Leipzig Eine erfolgreiche Mono- und Kombinationstherapie mit oralen Antidiabetika (OAD) setzt Grundkenntnisse der Ätiopathologie des Typ-2-Diabetes mellitus voraus. Das
charakteristische Merkmal des Typ-2-Diabetikers ist die
Interaktion von Insulinsekretionsstörung und Insulinresistenz.
Initial oft nur minimale Störungen des fein abgestimmten
Gleichgewichtes zwischen Aufnahme, Produktion und Verwertung der
Glucose führen längerfristig zum Überschreiten der
Toleranzgrenzen des hormonal-metabolischen Systems und damit zur
Hyperglykämie. Im weiteren Verlauf des Diabetes mellitus steigt
die Blutglucosekonzentration sowohl nüchtern als auch nach den
Mahlzeiten an, da die Hyperglykämie sowohl die Insulinresistenz
als auch die Insulinsekretionsstörung vorantreibt. Multiple zusätzliche
Faktoren, wie Fehlernährung und Bewegungsmangel, Entzündungen,
andere mit Aktivierung des endokrinen Systems einhergehende
Erkrankungen, Medikamente und letztlich auch der physiologische
Alterungsprozess bestimmen das Ausmaß der zunehmend komplexeren
Stoffwechselstörung im Rahmen des metabolischen Syndroms. Bei
aller auf wissenschaftlicher Evidenz basierenden Medizin bleibt es
die Kunst des Arztes, den aktuellen Status, aber auch die Dynamik
dieses Syndroms richtig einschätzen und damit die adäquaten
therapeutischen Maßnahmen einleiten und dem Verlauf der Krankheit
anpassen zu können. Die Kombinationstherapie mit OAD sollte sich
in Analogie zur Monotherapie deshalb an der Ätiopathologie des
metabolischen Syndroms orientieren und eingetretene regulatorische
Defizite und Folgeschäden berücksichtigen. Nach
den aktuellen Leitlinien der Deutschen Diabetes Gesellschaft ist
eine Kombinationstherapie mit OAD indiziert, wenn nach 3 monatiger
Basistherapie (Ziel: Lebensstiländerung) und 3 monatiger
Monotherapie mit einem nichtinsulinotropen, die Insulinresistenz
reduzierenden OAD (1.Wahl: Metformin bei BMI ≥ 25 kg/m2)
oder einem insulinotropen, d.h. die Insulinsekretion
stimulierenden OAD (1.Wahl: Sulfonylharnstoff der 2. und 3.
Generation bei BMI ≤ 25 kg/m2 oder bei
Kontraindikationen gegen Metformin) der Ziel-HbA1c-Wert
von ≤ 7 % nicht erreicht wird. In der Kombination sollen die synergistischen Effekte nichtinsulinotroper Pharmaka (außer Metformin auch Acarbose und Glitazone) und insulinotroper Pharmaka (außer Sulfonylharnstoffe auch Glinide) genutzt werden. Bei
Übergewicht steht initial die Behandlung der Insulinresistenz mit
Metformin im Vordergrund. Reicht diese Therapie nicht aus, kann
durch eine Stimulation der Insulinsekretion mit einem
insulinotropen Medikament (Sulfonylharnstoff oder Glinid) eine
weitgehende Normalisierung der Glucosehomöostase erreicht werden.
Jedoch ist auch eine Kombination von Metformin mit den
nichtinsulinotropen Glitazonen und Acarbose möglich. Bei
Patienten mit überwiegender Insulinsekretionsstörung und primärem
Einsatz eines Sulfonylharnstoffs oder eines Glinides bietet sich
aufgrund der synergistischen Wirkung eine Kombination mit
nichtinsulinotropen Pharmaka (Metformin, Acarbose oder Glitazon)
an. Mit
Glimepirid als einzigem Vertreter der jüngsten, 3.Generation der
Sulfonylharnstoffe, kann bei deutlich niedrigeren Insulinspiegeln
und strenger Abhängigkeit der Insulinsekretion von den
Glucosewerten im Vergleich zu den älteren Sulfonylharnstoffen das
gleiche Maß an Blutglucose- und HbA1c-Senkung bei täglicher
Gabe einer Tablette erreicht werden. Daraus resultieren eindeutige
klinische Vorteile. Neben dem deutlich reduzierten Hypoglykämierisiko
(Holstein et al. Diabetes Metab Res Rev 17; 2001:467-473), der
fehlenden Gewichtszunahme oder sogar der Abnahme des Gewichtes bei
höherem BMI (Scholz GH et al. Clin.Drug
Invest. 2001; 21:597-604, Martin S et al. Diabetes
2002;51 (Suppl.2): A107, Weitgasser R et al. Diabetes Res Clin
Pract 2003, in press) weist Glimepirid kaum kardiovaskuläre
Nebeneffekte auf (Klepzig H et al. Eur
Heart J; 20:439-446, Mocanu MM et al. Circulation
2001; 103:3111-3116). Bei leichter Suppression der endogenen
Glucoseproduktion führt Glimepirid auch zu einer Zunahme von
Aufnahme und Verwertung der Glucose in Muskel- und Fettzellen
insulinresistenter Menschen und damit zu einer verbesserten
Insulinempfindlichkeit der peripheren Gewebe (Overkamp D et al.
Diabetes Care 2002; 25:2065-2073, Müller G Med Welt 2002;
53:140-145). Daher dürfte, wie in der Monotherapie, auch in der
Kombinationstherapie diesem innovativen Pharmakon eine besondere
Bedeutung zukommen. Werden nach 3 Monaten einer Therapie mit einer OAD-Kombination die Therapieziele nicht erreicht, ist die zusätzliche Gabe eines mittellang- oder langwirksamen Insulins (z.B. NPH-Insulin oder Lantus®) oder eine intensivierte konventionelle Insulintherapie unter temporärer oder langfristiger Beibehaltung der OAD-Medikation indiziert.
|
