Wie
es läuft bestimme ich! – Frauen aktiv gegen ein Tabu
Frauen
von heute stehen ihre Frau im beruflichen und privaten Leben.
Sie sind aktiv und wollen ihr Leben bis ins hohe Alter genießen
und selbst bestimmen. Und dennoch tauschen viele diese Freiheit
und Unabhängigkeit gegen Isolation ein. Warum? Sie leiden
unter Belastungsinkontinenz, einem unfreiwilligen Harnabgang,
der z. B. beim Lachen, Laufen, Niesen, Sex u. a. auftritt.
Die Betroffenen leiden oft jahrelang, aus Scham und Hilflosigkeit
über ihr Problem zu sprechen. Dabei gibt es heute Möglichkeiten,
diese Erkrankung zu heilen. Medical economics berichtet von
einer Pressekonferenz zu diesem Thema.
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Schätzungen
zufolge sind in Deutschland ca. vier bis sechs Millionen
Menschen harninkontinent. Es wird davon ausgegangen, dass
jede zweite Frau über 50 Jahren mit derartigen Problemen zu
kämpfen hat. Harninkontinenz ist keineswegs nur eine
Erkrankung der älteren Frau, bereits 15 Prozent der 30- bis
40jährigen Frauen leiden unter Inkontinenzbeschwerden.
Weshalb
schweigen so viele betroffene Frauen?
In
unserer Gesellschaft spielen Hygiene und ein gepflegtes Äußere
eine bedeutende Rolle. Deshalb steht ein unkontrolllierter
Urinabgang und die damit verbundene „beschmutzte“
Kleidung im krassen Gegensatz zu der Vorstellung von einer
gepflegten Frau. Erschwerend kommt noch hinzu, dass die
Frauen den Urinverlust als peinlich empfundenen
Kontrollverlust über ihren Körper empfinden, als ein persönliches
Versagen. Die Folge: viele der Betroffenen isolieren sich,
brechen Kontakte zu Freunden ab, verzichten auf
liebgewordene sportliche Betätigungen, ihre Lebensqualität
erleidet empfindliche Einbussen. Depressionen und
Lebensunlust sind häufig mit Inkontinenzproblemen
vergesellschaftet.
Scham
und das Gefühl des persönlichen Versagens spielen beim
Verschweigen der Erkrankung eine bedeutende Rolle. Nur drei
von zehn Frauen suchen wegen ihrer Beschwerden einen Arzt
auf. Sie bringen den Mut auf, über ihr Leiden zu sprechen
und haben damit meist den ersten Schritt in eine Therapie
getan. Aber auch der Arzt hat eine persönliche Intimsphäre
und so kommt es noch vor, dass er sich peinlich berührt fühlt
und eine bestehende Harninkontinenz bagatellisiert. Auch für
die Ärzte bedeutet Harninkontinenz
und darüber zu sprechen die Aufgabe eines
Tabuthemas. „Tabus bringen aber chronische Verläufe. Arzt
und Patient müssen sich den Themen Sexualität und Intimität
öffnen. Wir müssen lernen, darüber zu sprechen.“ so
Dr. Ulrike Brandenburg (Klinik für Psychiatrie und
Psychotherapie der RWTH, Aachen).
Was
ist eine Belastungsinkontinenz?
Die
Ursache der Belastungsinkontinenz ist gut erforscht. Im Gegensatz
zur Dranginkontinenz sind hier die Blasenfunktionen völlig
in Ordnung. Die Probleme des unfreiwilligen Urinabganges bereiten
bei jüngeren Frauen vor allem die Harnröhrenaufhängung, die
durch den Geburtsvorgang beschädigt oder gerissen sein kann.
Bei älteren Patientinnen ist das erschlaffte Bindegewebe und
bei Übergewichtigen der Druck des Gewichtes auf die Harnblase
und damit einer Senkung der Harnröhre der Grund für die Belastungsinkontinenz,
so Dr. Ute Gola, Ernährungswissenschaftlerin aus Berlin.
Unter körperlicher Belastung kommt es zur Anspannung
der Bauchmuskulatur, dadurch werden im Bauchinnenraum die
Druckverhältnisse erhöht. Der Druck im Bauchraum wirkt auf
die Blase und es kommt zu einer Blasenentleerung. Bei Gesunden
wird aber gleichzeitig die Harnröhre zusammengedrückt und
so kann der Harn gehalten werden. Liegt jedoch die Harnröhre
durch eine Senkung außerhalb dieses Druckbereiches, oder ist
die Druckübertragung durch Geburten oder Bindegewebsschwäche
gestört, fehlt diese Sicherung und der Urin kann nur noch
über den schwächeren Schließmuskel zurückgehalten werden.
Zum Absinken der Harnröhre kommt es, wenn ihre Trägermuskeln
und das sie umgebende Bindegewebe nachgeben bzw. ausreißen.
Zunehmendes Alter führt oft zur Erschlaffung von Beckenboden,
Trägermuskel und Bindegewebe: Die Harnröhre sinkt mehr oder
weniger schnell ab. Bei einer Druckerhöhung durch Husten,
Niesen, Lachen, sportliche oder sexuelle Aktivitäten wird
der Blaseninhalt in die offene Harnröhre gedrückt und der
Urin hat, je nachdem wie kräftig der Schließmuskel ist, freien
Lauf - eine peinliche
Situation ist oft vorprogrammiert. Doch das muss nicht sein!
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