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Asthma und Spitzensport – geht das zusammen?

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Herr Keller, Sie haben 32 Deutsche Meistertitel, 2 Europameistertitel und etwa 30 Weltcupsiege errungen, und das, obwohl Sie Asthma haben. Spitzensport und Asthma scheinen sich also nicht grundsätzlich auszuschließen?

Nein, Asthma und Sport schließen sich keineswegs aus. Heute gibt es sehr gute Therapiemöglichkeiten, die Asthmapatienten eine hohe Lebensqualität garantieren und Einschränkungen bei sportlichen Aktivitäten verhindern. Ich glaube, dass ich je nach Wetterlage und biologischem Gefühl unter meiner vom Arzt maßgeschneiderten Therapie etwa 95%-99% meiner Leistungsfähigkeit erreiche.

Als ich mich mit meinem Asthma geoutet habe, war die Reaktion der Kollegen ganz anders als erwartet: Die gesunden Athleten haben mir besonderen Respekt und Anerkennung für meine guten sportlichen Leistungen trotz der Krankheit gezollt. Das war natürlich ein tolles Gefühl und hat mich dazu motiviert, mich noch mehr mit meiner Krankheit auseinander zu setzen und an die Öffentlichkeit zu gehen.

Wann ist Ihr Asthma diagnostiziert worden? Vor oder während Ihrer Schwimmerlaufbahn?

Meine sportliche Laufbahn hat schon mit sechs Jahren begonnen. Damals wusste ich nicht, dass ich Belastungsasthma habe, aber ich hatte schon immer mit den typischen Zeichen einer Atemwegserkrankung zu kämpfen, z.B. mit einem labilen Bronchialsystem, häufigen Infekten, trockenem Husten, Hüsteln und Räuspern und farblosem Auswurf. Vor allem in extremen Belastungssituationen und auch bei kleineren Wettkämpfen trat ein Engegefühl in der Brust auf. Deshalb wurde ich schon mit 12 Jahren für sechs Wochen an die Nordsee zur Kur geschickt. Die Symptome wurden jedoch nie richtig gedeutet. Ich wurde mit Medikamenten behandelt, die das Immunsystem stärken und den Schleim lösen sollten. Erst 1994 – da hatte ich schon den ersten Weltmeistertitel über 200 m Lagen errungen – wurde mit Hilfe von Lungenfunktions- und Allergietests die Diagnose Belastungsasthma gestellt. 

Hat sich nach der Diagnose Ihre Leistungsfähigkeit verändert?

Klar. Es gibt einen großen Unterschied zwischen vorher und nachher. Zum Beispiel bei meiner Paradedisziplin, 200 m Lagen, da gibt es die Rücken-Brust-Wende, bei der ich einen Brust-Tauch-Zug machen muss. Früher hatte ich nach dem Tauchzug immer immense Atemnot, weil ich dabei ja drei Sekunden ohne Luft auskommen muss. Ich brauchte immer die ersten Atemzüge, um überhaupt wieder ins Rennen zukommen. Damals konnte ich diese Probleme mit der Sauerstoffnot durch meinen jugendlichen Elan wohl immer noch ausgleichen. Ich glaube allerdings, wenn ich nicht dann endlich richtig medikamentös eingestellt worden wäre, hätte ich in der Zwischenzeit sicherlich schon mit dem Sport aufgehört oder könnte zumindest diese tollen Leistungen nicht mehr erbringen.  

Welche Asthmamedikamente nehmen Sie heute ein?

Natürlich nehme ich ein inhalatives Kortikoid gegen die Entzündung und ein langwirksames Beta-2-Sympathomimetikum. Und vor dem Start inhaliere ich bei Bedarf ein kurzwirksames Beta-2-Mimetikum, damit die Bronchiolen erweitert werden. Seit 1998 nehme ich jeden Abend zusätzlich eine Tablette Montelukast (Singulair®) ein. Damit bin ich morgens sofort wieder einsatzfähig. Ich finde, ich habe mit dieser Therapie jetzt ein gutes Management meiner Krankheit erreicht.

 

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