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Bestimmte
Rahmenbedingungen und eine sinnvolle Medikation vorausgesetzt, sollten
alle asthmakranken Kinder und Jugendliche am Schulsport teilnehmen
Von
Dr. med. Jochen Kubitschek
Volltext/Druckversion
Sport
und körperliche Anstrengung sind für asthmakranke Patienten wegen
der Gefahr des Anstrengungsasthmas mit Problemen verbunden. Doch
der Verzicht auf diese Tätigkeiten ist nicht die richtige Reaktion
betonte Dr. med. Joseph Lecheler, Berchtesgaden, anlässlich eines von Aventis
Pharma ausgerichteten
Fachpressegesprächs.
Anstrengungsasthma
ist dadurch gekennzeichnet,
dass innerhalb von acht bis zehn Minuten nach Beginn einer körperlichen
Anstrengung Atemnot auftritt, die durch eine Bronchialobstruktion
hervorgerufen wird. Ein Anstrengungsasthma lässt sich unter standardisierten
Bedingungen bei fast allen Asthmatikern auslösen - es ist somit
pathognomonisch für die Krankheit Asthma.
Auf
dem Boden der bei Asthmatikern bestehenden Hyperreaktivität der
Bronchialschleimhaut können Triggerfaktoren wie Allergien, Infekte
und körperliche Anstrengung
jederzeit Atemnotszustände auslösen.
Da
sich Kinder in der
Regel mehr körperlich bewegen als Erwachsene, fällt bei Ihnen
Anstrengungsasthma früher auf und stellt oft das von Eltern berichtete
Erstsymptom eines Asthma dar. Die Folgen sind oft Schonempfehlungen
und Ausgrenzung von altersadäquater Belastung. Da physische Attraktivität
und Sportlichkeit zentrale Erlebensbereiche schon im Kindesalter
und mehr noch im Jugendlichenalter sind, kann diese Ausgrenzung
erhebliche Entwicklungsdefizite nach sich ziehen.
Untersuchungen
haben in den letzten Jahren gezeigt, dass
Sport und körperliches Training trotz der Gefahr des Anstrengungsasthmas
empfohlen werden muss, um das Anstrengungsasthma selbst einzugrenzen.
Bei durch regelmäßiges Ausdauertraining verbessertem körperlichen
Trainingszustand sinkt die Atemarbeit. Dadurch werden Asthma-auslösende
Stimuli der anstrengungsbedingten Hyperventilation weniger wirksam,
der Bewegungsspielraum und der Aktionsradius vergrößert sich.
Vor
Beginn einer Sporttherapie sollte eine gründliche lungenfunktionelle
Untersuchung mit einem geeigneten Belastungstest erfolgen, um
den Grad des Anstrengungsasthmas zu ermitteln. Laufbandergometrie
ist dabei das geeignete Provokationsmedium.
Nach
internationalen Consensus-Statements ist die Inhalationstherapie
in der antiobstruktiven Therapie des Kindesalters noch die Regel.
Medikamente wie DNCG
oder
Beta-Sympathikomimetica
werden per inhalationem auf die Bronchialschleimhaut aufgebracht.
Günstig ist es, wenn die zeitliche Abfolge so gestaltet wird,
dass eine dieser Inhalationen vor die Sportstunde zu liegen kommt
.
Grundsätzlich
können alle asthmakranken Patienten, so auch Kinder und Jugendliche,
an Sportprogrammen teilnehmen, wenn adäquate therapeutische Rahmenbedingungen
eingehalten werden können. Aufwärmen zu Beginn der Sportstunde
ist der sicherste Garant für das Ausbleiben einer Atemwegsobstruktion.
Das
Anstrengungsasthma kennt eine Refraktärperiode, die individuell
unterschiedlich ausgeprägt sein kann. Eine reproduzierbare Refraktärperiode
wird seit einiger Zeit in der Sporttherapie in Form eines Intervall-Trainings
angewandt. Schwimmen ist eine besonders günstige Sportart für
Asthmatiker, vor allem im Schwimmsport können enorme Leistungen
(nach entsprechender Aufwärmung!) erzielt werden. Ältere Kinder
und Jugendliche aber auch Erwachsene profitieren vor allem von
Ausdauersportarten.
Wettkampfsportarten
haben bei asthmakranken Kindern den entscheidenden Nachteil, dass
die mangelnde Wahrnehmung (Perzeption) der beginnenden Bronchokonstriktion
eingerechnet werden muss. Zumindest
bei diesen Sportarten sollte immer ein Lehrer oder Trainer anwesend
sein.
Der
Ehrgeiz der Kinder und Jugendlichen sollte mehr auf häufigere
Wiederholungen und zeitliche Ausdehnung gerichtet werden als auf
vermeintliche Rekorde im Bereich hoher Belastungsintensitäten.
Werden maximale Belastungen angesteuert, besteht jederzeit die
Gefahr eines Asthmaanfalles.
Am
Ende der Sportstunde sollte die Belastung nicht abrupt abbrechen
sondern in einer Abklingphase auslaufen. Dabei können in
spielerischer Form Elemente der krankengymnastischen Atemtherapie
eingebracht werden, etwa Übungen mit Lippenbremse, Atem
erleichternde Körperhaltungen und dergleichen.
Durch
dosierte körperliche Trainingsprogramme lässt sich
jeder Asthmatiker in den Schulsport integrieren oder kann
als Erwachsener an Freizeitsportarten teilnehmen, die ihn sogar
bis zu überdurchschnittlichen Leistungen führen können.
Professor
Dr. Adrian Gillissen, Leipzig, verwies auf die Wichtigkeit
einer ausgewogenen Therapie, bei der neben Medikamenten auch auf
eine Reduktion auslösender Stimuli, z. B. die Vermeidung von Belastungssituationen/Training
in kalter Luft oder bei allergenreichen Wettersituationen/Gegenden
geachtet werden sollte. Eine Exposition gegenüber Allergenen (Tierhaare,
Pollen, Hausstaubmilben, Pilze) oder virale Infektionen fördern
die bronchiale Hyperreaktivität.
Das
Belastungsasthma kann durch die prophylaktische Gabe bronchodilatativer
Medikamente kurz vor der Belastungssituation verhindert werden.
Umgekehrt sollten Atemwegsobstruktion- fördernde Medikamente in
jedem Fall vermieden (z.B. Beta-Blocker) werden. Ein Belastungsasthma
auf dem Boden eines schon bekannten Asthma bronchiale muss entsprechend
der nationalen und internationalen Therapieempfehlungen adäquat
in einer Langzeittherapie eingestellt sein.
Kurzwirkende
inhalative Beta-2-Mimetika sind die Mittel der Wahl zur
Verhinderung eines Belastungsasthmas. Empfohlen ist die inhalative
Gabe 15 Minuten bis zu 1 Stunde vor der Belastungssituation.
Kombinationspräparate
wie Aarane ® mit einem kurzwirksamen Beta-2-Mimetikum (Reproterol) und einer antiinflammatorischen Substanz (Dinatriumchromoglykat)
verstärkt die protektive Wirkung
.
Langwirksame
Beta-2-Mimetika eignen sich zur Dauertherapie des Asthma
bronchiale.
Eine
häufige Anwendung von Beta-2-Mimetika (kurzwirksame wie
langwirksame) führen zu einer Tachyphylaxie, weswegen sie bei
regelmäßiger Anwendung mit einer antiinflammatorischen Substanz
(DNCG, inhalative Steroide, Leukotrienrezeptorantagonisten)
kombiniert angewendet werden sollen.
Inhalative Kortikosteroide, DNCG-Monotherapie,
Antileukotriene (Montelukast) und Salmeterol eigenen sich nur in
der Dauertherapie des Asthma bronchiale ab dem Schweregrad Stufe
II.
Die
Kombination von Reproterol und DNCG (Aarane ®) führt zu einer
Steigerung des antiobstruktiven Schutzes.
Ein
belastungsabhängiges Asthma bronchiale in Verbindung mit einem
chronischen Asthma bronchiale muss zudem entsprechend der
Therapieempfehlungen im Stufenschema chronisch antiobstruktiv und
antiinflammatorisch therapiert werden.
Das
belastungsabhängige Asthma bronchiale ist nach der Erfahrung von Prof. Gillissen eine gut
therapierbare Erkrankung und sollte daher heute nicht mehr z.B.
zum Ausschluss vom Schulsport führen
Dr.
U.R. Jürgens, Bonn verwies auf die unterschiedliche Wirkungsweise
der heute verfügbaren Betamimetika. Besonders hervorzuheben sind
die Unterschiede zwischen Reproterol
und Fenoterol und
Salbutamol in Bezug auf die Produktion von cyclischem Adenosin-Monophosphat
(cAMP) und Leukotrien B4 (LTB4) in humanen Monozyten
Nach
neueren Berichten hemmen Beta2-Adrenergika in
Leukozyten und Atemwegsepithelzellen auch die Produktion von Entzündungsmediatoren
und können entzündungshemmend wirksam sein. Als wichtiger
Mechanismus wird nach Bindung an den Beta2-Rezeptor
die Aktivierung der Adenylatzyclase angesehen, die aus ATP das
zellstabiliserende und für die Bronchorelaxation wichtige cAMP
bildet, dessen Abbau durch Phosphodiesterasen (PDE) erfolgt.
Die
cAMP-Produktion (10-5M) wurde signifikant und dosisabhängig
stimuliert durch Reproterol > Fenoterol > Salbutamol um
128%, 65% und 13% (p>0.05). Dagegen wurde die
LTB4-Produktion durch Salbutamol (59%) und
Reproterol (49%) vergleichbar gehemmt mit einer Abnahme der
Hemmwirkung bei zunehmender
Dosis von Fenoterol (15%).
Zusammenfassend
erlauben die Untersuchungen auf zellulärer Ebene einen ersten
Hinweis auf eine unterschiedliche Wirkung
der untersuchten Beta-Adrenergika
hinsichtlich der Produktion von cAMP-und Leukotrienen.
Der Theophyllinanteil von Reproterol erwies sich als
effektiv, um die PDE-Aktiviät bei stimulierten
cAMP zu hemmen, wohingegen die Wirkung von Salbutamol nicht
cAMP vermittelt ist.
Der in vitro nachgewiesenen Hemmung der Leukotriene liegt ein
synergistischer Mechanismus des Orciprenalin- und
Theophyllinbestandteils von Reproterol
zugrunde, der
entscheidend ist, um Leukotriene beim Anstrengungsasthma zu
hemmen.
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