Kann
Eibenwirkstoff Taxol bald auch bei der Behandlung von
Hirntumoren eingesetzt werden?
Pharmaunternehmen
Bristol-Myers Squibb entwickelt innovatives Therapieverfahren
Von Dr. med. Jochen Kubitschek
Heute
basiert eine erfolgreiche Krebsbehandlung auf mehreren
prinzipiell gleichwertigen Säulen: der operativen Entfernung
der Geschwülste, der Chemotherapie, der Immuntherapie
und der Bestrahlung. Als besonders schwierig hat sich
allerdings die Behandlung von Hirntumoren erwiesen. Hier
stoßen die Ärzte gleich auf mehrere scheinbar unüberwindliche
Hindernisse: zum einen kann der Neurochirurg oft nicht
genügend erkranktes Gewebe entfernen, da sonst lebenswichtige
Nervenzentren zerstört werden müßten. Andererseits können
die meisten Medikamente kaum oder überhaupt nicht aus
dem Blut in die Nervenflüssigkeit (Liquor) hineinwandern.
Daher gelangen sie auch nicht in den Tumor.
Aus
diesem Grund beschäftigen sich weltweit zahlreiche Expertengruppen
mit der drängenden Frage, wie man die Medikamente so manipulieren
kann, daß sie die sog. Blut-Liquor-Schranke erfolgreich
überwinden können. Eine derzeit in der Entwicklung befindliche
vielversprechende Methode des Transports von Medikamenten
in den Tumor hinein basiert auf der Micobubble-Technik.
Dabei werden sog. LCM´s (für lipid-coated microbubbles)
verwendet - Bläschen einer stabilen Gas-in-Flüssigkeit
Auschwemmung (Emulsion). Schon vor Jahren zeigten Laborexperimente,
daß diese LCM´s beispielsweise bei Ratten in der Lage
waren, in vorhandene Hirntumore hineinzuwandern.
Dieser
vielversprechende Forschungsansatz wurde von den US-Unternehmen
Cavitation-Control Technology, Inc., Farmington, Connecticut,
USA, und Bristol-Myers Squibb für die Anwendung in der
Krebsmedizin weiterentwickelt.
Anläßlich
der in Freiburg abgehaltenen Liposome Conference, verwies
eine Arbeitsgruppe der neurochirurgischen Abteilung des
Connecticut Health Center, Farmington, USA, darauf, daß
diese Microbubbles ausschließlich in Tumorzellen einwandern
und dabei sowohl Farbstoffe, als auch Krebsmedikamente
wie den ursprünglich aus der Rinde der pazifischen Eibe
gewonnenen Wirkstoff Taxol transportieren können. Entsprechende
Experimente zeigten bei Labortieren, daß das mit Hilfe
der mikroskopisch kleinen Fettbläschen in die Krebsgeschwülste
eingeschleuste Taxol die Hirntumore innerhalb kurzer Zeit
zersetzt und die Zahl der Tumorzellen sowie deren Zellfortsätze
drastisch vermindert. Alle bisher vorhandenen wissenschaftlichen
Daten stützen daher die Hoffnung der Krebsärzte, daß das
heute zur Behandlung von fortgeschrittenem Eierstockkrebs
verwendete Taxol eines nicht allzu fernen Tages auch erfolgreich
bei der Behandlung bestimmter Hirntumore eingesetzt werden
kann.
Quelle:
http://www.ntplx.net/´cavcon/da1-4html
Abstract
Liposome Conference 1995